Interview mit Norbert KELLER

Herr Keller, begonnen haben Sie Ihre Karriere mit dem Bau von Geländer und Treppen. Danach haben Sie sich auf den Bau von Wintergärten konzentriert und mit Keller Wohnwintergärten haben Sie sich europaweit einen Namen gemacht. Mit minimal-windows ist Ihnen schlieβlich der Durchbruch gelungen. Können Sie uns diesen Werdegang schildern?

NK: Eine IDEE haben, MUT haben und AUSDAUER haben, das ist Voraussetzung und Ausgangspunkt, um als Unternehmer zu starten.

Anfang der siebziger Jahre habe ich mit meinem Vater mein erstes Haus gebaut und habe so Vieles gelernt, so auch, wie man Design und Qualität  vereinen kann.

Damals habe ich auch das Kunstschmiedehandwerk für mich entdeckt. Es war eine Herausforderung, an einer gedrehten freitragenden Treppe ein Stahlgeländer im Feuer zu schmieden und so zu einem Kunstwerk zu formen. Ich war damals sehr stolz auf mich, da ich das Handwerk Kunstschmied nicht gelernt hatte. Ich war Werkzeugmacher von Beruf und daher liebte ich schon die Perfektion, die extreme Genauigkeit. Es machte mir sehr viel Freude, einen eigenen Stil für Geländer, Gitter, Tore und Treppen zu entwickeln.

Die Nachfrage nach diesen Schmiedearbeiten war damals so groβ, dass ich 1979 beschloss, mich in die Selbstständigkeit zu wagen und baute 1980 meine erste Werkstatt in Schönberg / St-Vih.

Hier kommt dann – wie eingangs erwähnt – das Wort MUT hinzu, denn damals waren die Bankzinsen so hoch wie nie mehr danach und die Ölkrise war voll ausgebrochen. Die Nachfrage war dennochr sehr gross in dem Kunstschmiedebereich und das nicht nur in Belgien. Immer mehr Kunden kamen aus Luxembourg auf mich zu und so wurde die Firma Keller durch Mund-zu-Mund-Werbung bekannter. Hinzu kam dann ein Auftrag für ein Wintergarten-Treibhaus, dh. es sollte ein Wintergarten zum Wohnen sein aber auch geeignet für Pflanzen und teils als Garten. Dieses Objekt habe ich dann noch aus Stahl gebaut. Allerdings entdeckte ich, dass Aluminium sich  für Wohnwintergärten besser verarbeiten lässt. Damit war die Abteilung Wohnwintergärten für Privatanbauten, Restaurants oder Hotelerweiterungen geboren.

Die Gebäude in Schönberg wurden zu klein und so wurde dann 1990 Die Firma Keller AG in Troisvierges/Luxembourg gegründet. Zu dieser Zeit beschäftigte die Firma Keller schon 10 Mitarbeiter. Die Nachfrage war sehr gross und wir entwickelten bald eigene Profile, um Qualität und Design zu verbessern. Es war mir wichtig, einen eigenen Stil zu entwickeln, um mich von Mitbewerbern abzusetzen. Ich liebe es, mich mit Nischenprodukten zu befassen.

Die Mitarbeiterzahl stieg auf 20 Mitarbeiter und die Weiterentwicklung insbesondere in thermischen Bereichen machte groβe Fortschritte. Der Bekanntheitsgrad der Keller-Wohnwintergärten stieg ständig und so starteten wir 1996 mit dem Aufbau eines europäischen Vertriebsnetzes in dessen Zuge Vertriebspartner für den Verkauf  und die Montage der Keller-Wohnwintergärten ausgebildet wurden.

Anfang 2000 kam die IDEE, ein neuartiges Wohnwintergartekonzept zu entwickeln. Mir war aufgefallen,  dass überall Glasanbauten entstanden, die aus meiner Sicht sehr schrecklich aussahen: Keine Symmetrie, kein Design, keine Qualität mehr. Es entstanden grosse Glashäuser, in denen sich kein Mensch wohlfühlen kann. So entwickelte das Kellerteam eine Holzleimbinder-Flachdachkonstruktion  für das Dach des Wohnanbaues, welches sich der Hausbaukonstruktion anpassen konnte. In die Flachdächer konnten  symmetrische Glaskuppeln intrigiert werden. So entstand eine ganz neue Art von einem Wohnanbau unter Glas. Diesen neuartigen Wohnwintergärten gaben wir den Namen „ORANGERIE“. Dieser  Name „ORANGERIE“ ist inzwischen auch von andern Mitbewerbern übernommen worden.

Das Team der Keller AG kann stolz sein auf die Baureihe  „ORANGERIE“. Es hat dieses Konzept inklusive Namen entwickelt. Dieses neue Konzept wurde im Jahre 2004 auf der „Batibouw“ in Brüssel und auf der „Bau“ in München vorgestellt.

Danach wuchs das Unternehmen bis auf 70 Mitarbeiter. Im Bereich von Nischenprodukten wurde mit Hochdruck weiterentwickelt. Im Jahre 2007 begann eine weitere Hightech- Entwicklung: Keller minimal-windows. Die Architektur verlangte im Fensterbereich große Glasflächen mit minimalistischem Rahmensystem. Dieses neue innovative rahmenlose Schiebesystem setzte wiederum  neue Standards im Wohnbereich und auch im Wohnwintergartenbau.

In Folge wurde eine zweite Serie, nämlich  “ Keller minimal-windows + “ entwickelt und zwar mit hochisolierten Profilen, mit denen auch Dreifachisolierglas eingebaut werden kann. Schiebeanlagen bis zu einer Höhe von 6 m können gebaut werden. Die Schlagregendichtigkeit wurde verbessert, und Vieles andere mehr.

Ein weltweites  Vertriebsnetzwerk sorgt dafür, dass man “ Keller minimal- windows “ auf der ganzen Welt erhalten kann.

2014 erreichte die Firma Keller eine Mitarbeiterstab von 100 Leuten.

Hier und an dieser Stelle möchte ich mich auch nochmals an meine tollen Mitarbeiter der Firma Keller richten. Ich hatte das Glück mit einem wunderbaren Team zusammen zu arbeiten. Wenn mir persönlich auch die Abteilung „Entwicklung-Design“ sehr nahe stand, wurde in allen anderen Abteilungen ebenfalls hervorragend zusammen gearbeitet. Das Vertrauen, das ich meinen Abteilungsleitern, Mitarbeitern geschenkt hatte, wurde nicht missbraucht, nein, es kam 100-fach zurück. Ich kann jedem Unternehmen wünschen, solche Mitarbeiter zu finden. Überall gibt es mal hier und da Probleme, die man aber nur dann lösen kann, wenn man miteinander redet und dann Entscheidungen trifft, die eingehalten werden. Das war mit dem Team bei KELLER immer möglich.

Und eines habe ich mir immer vor Augen gehalten. Ich weiβ, was ich kann und ich weiβ, was ich nicht kann und für das, was ich nicht kann, suche ich mir die richtigen Mitarbeiter.

Nochmals danke an das Team.

Warum haben Sie ihr Unternehmen in andere Hände gegeben?

NK: 2014 habe ich mein Unternehmen mit ca 100 Mitarbeiter nach insgesamt 34 Jahren Aufbau verkauft.

Es gibt mehrere Gründe: Familiär gesehen haben die Kinder ihre eigene berufliche Ausrichtung gewählt und ein anderer Grund war zu dem damaligen Zeitpunkt eine gewisse mentale Müdigkeit.  34 Berufsjahre gehen nicht einfach spurlos an einem vorbei. Es war nicht immer nur Autobahn fahren auf dem Weg nach oben. Viele Rückschläge mussten bewältigt werden, beruflich und auch privat.

Der grosse Bekanntheitsgrad der Firma Keller AG hatte damals andere Unternehmen auf uns aufmerksam gemacht. So sind Kontakte entstanden, unter anderem auch mit dem neuen Inhaber der Keller AG. Meine Berater und die Kinder haben mich schlieβlich ermutigt, diese Abtretungsentscheidung zu treffen.

 

Unter Norbert Keller findet man bei Google noch ältere Einträge, unter anderem „erfolgreiche Nachfolgeregelung bei der Keller AG“. 3 Jahre nach dieser Transaktion gibt es sicherlich ein Fazit. Wie fällt es aus?

NK: Ich bin ein Vertrauensmensch.

Zur Zeit der Übernahme hatte ich festes Vertrauen in die Vision durch Weiterentwicklung der Gebrüder Serge Niederkorn und Marc Niederkorn, die gemeinsam mit Ihrem Vater, durch die Familienholding „Luxembourg Capital Investment Group S.à .r. l“ in die innovativen Nischenbereiche der Keller AG einsteigen wollten. Damals war ich überzeugt, dass es der richtige Weg sei für die Zukunft der Keller AG  und besonders für das wunderbare Team von 100 Mitarbeitern der Keller AG.

 

Schon mit Ihren Wohnwintergarten-Konzepten und auch bei minimal-windows haben Sie die Liebe zum Detail erkennen lassen. Warum ist Ihnen dies so wichtig?

NK: Wenn man qualitäts-  und  designorientierte  Produkte herstellen und liefern möchte, kommt es auf Perfektion an. Kleinigkeiten sind es, die Perfektion ausmachen, aber Perfektion ist alles andere als eine Kleinigkeit. Es braucht viel  Zeit, Geduld und Ideen, sich damit auseinander zu setzen. Ich denke es ist meine Stärke gewesen, diese Entwicklungen so voran zu treiben.

 

Design, Formschönheit, Ästhetik sind Begriffe, die Sie auch in Ihrem neuen Betätigungsfeld umsetzen möchten. Wie gestaltet sich aus Ihrer Sicht dieUmsetzung dieser Begriffe? Wohin entwickelt sich die moderne Architektur und das moderne Lebensgefühl?

NK: Schöne Natur, schöne Autos, schöne Gebäude, schöne Architekturen, schönes Design, ganz allgemein Schönheit, Ästhetik inspiriert mich. Etwas gestalten, wie zum Beispiel Altbauwohnungen ausstatten und einrichten sind wunderschöne Aufgaben. Der heutige Mensch möchte  ein Wohlwohngefühl mit viel Licht im Haus, in der Wohnung erleben. Dieses Licht kommt natürlich am besten mit den großflächigen Fensteranlagen zur Geltung.

 

Sie haben vor 3 Jahren Ihr Unternehmen verkauft. In der Zwischenzeit haben Sie sich neuen Aufgaben zugewandt. Worin bestehen diese neuen Herausforderungen?

NK: Sie lassen sich in drei Schlagwörter zusammenfassen:

„Real Estate“  steht für  Kauf, Vermittlung bis hin zum Verkauf  von exclusiven  Wohnungen in Luxembourg, Belgien und Mallorca

„Design Conception“  bedeutet Gestaltung und Ausstattung im Innen- und im Auβenbereich von Wohnungen … bis hin zur Neugestaltung von Fensteranlagen.

„Development“ steht für Weiterentwicklung von verschiedenen Baugestaltungsmöglichkeiten

Ein Beispiele, um dies zu verdeutlichen: Ich kaufe ein Appartement in einer Wohnanlage, das entweder  in der Entstehung ist oder auf dem freien Markt angeboten wird. Diese Wohnung statte  ich dann zur exklusiven Wohnung aus. Durch  von mir ausgesuchte Immobilienmakler wird das Appartement als exklusive Wohnung dem Kunden zum Kauf angeboten.

Des Weiteren bin ich auch noch in der Beratung und Vermittlung von exklusiven Wohnungen tätig.

Die Weiterentwicklung von  design- und zukunftsorientierten Bauelementen ist und bleibt eine besondere Herzenangelegenheit, wie sie es wohl auch in meiner gesamten beruflichen Laufbahn war.

Entspannung für Körper und Seele sowie Inspiration finde ich in der Begegnung mit der  Natur beim Golf, Wandern, Fahrradfahren.

 

Interior Design